Energiemanagement

DIN EN ISO 50001

Allgemeines zum Energiemanagement

 

Seit Anfang 2013 fordert der Gesetzgeber von energieintensiven Unternehmen das Engagement zum effizienten Umgang mit Energie und knüpft dies an den sogenannten Spitzenausgleich. Näheres regelt die Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung, SpaEfV. Formell handelt es sich hierbei um die Verordnung über Systeme zur Verbesserung der Energieeffizienz im Zusammenhang mit der Entlastung von der Energie- und Stromsteuer in Sonderfällen (Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung).

Zielgruppe - für wen ist die ISO 50001 relevant?

Für welche Unternehmen ist das Energiemanagementsystem ISO 50001 geeignet? Da die Norm ein klassisches Managementsystem ist  und nicht sektorspezifisch aufgebaut ist, kann die Norm grundsätzlich von Unternehmen und Organisationen aller Branchen und Größen eingeführt und angewendet werden. Das Energiemanagementsystem nach ISO 50001 kann zudem unabhängig von bestehenden Managementsystemen eingeführt bzw. in bestehende Systeme integriert werden. Grundsätzlich empfiehlt sich das Regelwerk bei energieintensiven Prozessen im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe. Auch Organisationen mit hohen Energieverbräuchen profitieren, bspw. Stadtwerke, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und viele anderen. Wir beraten Sie gern - auch zu Alternativen!

Warum ISO 50001 – Vorteile für Unternehmen

Für die Implementierung der ISO 50001 gibt es klare Gründe. Einerseits fördert der Gesetzgeber die Steigerung der Energieeffizienz in Unternehmen mit dem Spitzenausgleich nach Energie- und Stromsteuergesetz und der Ausgleichregelung des EEG und andererseits können die Energiekosten im Unternehmen gesenkt werden. So kann die ISO 50001 mehrfach Vorteile für Ihr Unternehmen schaffen.

 

Die Einführung und Umsetzung der ISO 50001 bedeutet die Umsetzung eines Wettbewerbsvorteils; die Differenzierung von Mitbewerbern auf strategische Sicht. Da die Senkung der Energiekosten für energieintensive Unternehmen ein erhebliches Potential birgt, stellt die Implementierung der ISO 50001 eine Lösung zur Identifikation und nachhaltigen Umsetzung von Energieeinsparpotentialen dar.
 

  • Eine Zertifizierung nach ISO 50001 ist Voraussetzung für die teilweise Befreiung besonders energieintensiver Unternehmen von der EEG-Umlage sowie der Entlastung von Unternehmen der produzierenden Gewerbe von der Strom- und Energiesteuer.
  • Identifikation von Einsparpotentialen in Unternehmen und Organisationen.
  • Kontinuierliche Verbesserung der energiebezogenen Leistungen in Organisationen und Unternehmen durch den Aufbau von passenden Systemen und Prozessen.
  • Geringerer CO2-Ausstoß. Durch die Steigerung der Energieeffizienz wird auch die Energie- und Umweltbilanz verbessert.
  • Öffentlichkeitswirksamkeit – mit der ISO 50001 können Unternehmen positiv öffentlichkeitswirksam ihr Energie- und Umweltbewusstsein betonen.
  • Ein effizienter Einsatz von Energie bedeutet ganz klar auch Kosteneffizienz; Energiekosten senken bedeutet die Wirtschaftlichkeit steigern und Wettbewerbsvorteile schaffen.

Spitzenausgleich und Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung

Unter dem Begriff Spitzenausgleich wird das Erstattungsverfahren verstanden, nach dem Unternehmen bei der Erfüllung bestimmter Zugangsvoraussetzungen Anspruch auf die Erstattung von Strom- und Energiesteuer haben. Grundlage für die Erstattung ist zum einen §10 StromStG und zum anderen der §55 EnergieStG (Gas). Als mitgeltend muss in diesem Zusammenhang die Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung, kurz SpaEfV, angesehen werden. Diese konkretisiert ab 01.01.2013 die Anforderungen an Unternehmen, die erfüllt sein müssen, damit der Ausgleich weiterhin bei den zuständigen Hauptzollämtern beantragt und gewährt werden kann.

Gemäß der Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung gilt der Zeitraum vom 01.01.2013 bis 31.12.2014 als Übergangszeitraum, in welchem Unternehmen die Voraussetzungen für die weitere Teilnahme am Spitzenausgleich schaffen müssen. Es gelten die Bestimmungen zum Nachweis in der Einführungsphase, §4 SpaEfv. 

Der Zeitraum ab 01.01.2015 wird als Regelzeitraum bezeichnet. Es gelten die Bestimmungen für die Nachweisführung zur Verbesserung der Energieeffizienz im Regelverfahren, §4. Als Nachweis gelten:
 

  • ein gültiges DIN EN ISO-50001 Zertifikat, bzw. Überprüfungbescheinigung, Audit
  • EMAS mit gültigem Eintragungs- oder Verlängerungsbescheid
  • Energieaudit gem. EN 16247-1 (KMU)
  • Alternatives System gem. Anlage 2 der SpaEfV (KMU)

 

Weiterführende Informationen zum Spitzenausgleich finden Sie hier.

 

Die Struktur der DIN EN ISO 50001

Die grundsätzliche Struktur der ISO 50001 entspricht der Struktur anderer Managementsysteme wie z.B. dem Qualitätsmanagementsystem ISO 9001 oder dem Umweltmanagementsystem 14001. Hauptgrund für die ähnliche bis gleiche Struktur der Normen ist die Grundlage auf der sie basieren: der PDCA-Zyklus. Der PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act – Planung-Umsetzung-Überprüfung-Verbesserung) ist eine Methode zur kontinuierlichen Verbesserung des Systems. Darüber hinaus ist die ISO bemüht, die Standardregelwerke ISO 9001, ISO 14001, ISO 50001 und Weitere in ihrem Aufbau zu harmonisieren. Dies ermöglicht die Umsetzung integrierter und prozessorientierter Managementsysteme.

Die Kapitel ein bis drei der Norm stellen den Anwendungsbereich, Verweise auf andere Normen sowie Begriffe inklusive deren Erläuterung dar. Die eigentlichen Anforderungen an das EMS regelt das Kapitel vier mit folgenden Unterpunkten:

  • Allgemeine Anforderungen
  • Verantwortung des Managements
  • Energiepolitik
  • Energieplanung
  • Einführung und Umsetzung
  • Überprüfung
  • Managementbewertung (Management-Review)

 

Gern beraten Sie unsere Auditoren zur Implementierung und Revision und Managementsystemen.

Rechtskataster / Compliance

Die DIN EN ISO 50001 fordert unter Punkt 4.4.2 (Rechtliche Vorschriften und andere Anforderungen), dass die geltenden rechtlichen Vorschriften ermittelt und umgesetzt werden, ebenso gilt dies für weitere Gesetze und Vorschriften, denen sich Unternehmen und Organisationen ggf. auch freiwillig unterwerfen. Im Allgemeinen sind diese Gesetze und Vorschriften im sogenannten Rechtskataster oder der Rechtsmatrix zusammenzuführen. 

Aus der Praxis heraus hat es sich bewährt, im Rechtskataster zusätzliche Regelungsinhalte festzuhalten. Diese Regelungen betreffen:

  • Wer ist für die Aktualisierung und Überprüfung verantwortlich?
  • In welchem Rhythmus wird überprüft und aktualisiert?
  • Welche Bereiche / Personen sind von den jeweiligen Gesetzen betroffen?
  • Wo ist die aktuelle Rechtstext zu finden?

Beispiel: Gesetze und Verordnungen im Rechtskataster

 

Kürzel

Gesetz / Verordnung / Richtlinie

AbLaV

Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten

EEG

Erneuerbare-Energien-Gesetz

EnergieStG

Energiesteuergesetz

EnergieStV

Energiesteuerverordnung

EnEV

Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden

EnWG

Energiewirtschaftsgesetz

KAV

Verordnung über Konzessionsabgaben für Strom und Gas

KWK-G

Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung

NDAV

Verordnung über Allgemeine Bedingungen für den Netzanschluss und dessen Nutzung für die Gasversorgung in Niederdruck

SpaEfV

Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung

StromNEV

Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen

StromStG

Stromsteuergesetz

TAB MS 2008

Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an das Mittelspannungsnetz 2008

 

FAQ | Häufig gestellte Fragen ...

Wie lange dauert die Einführung / Implementierung?

Unternehmen mit implementierten bzw. zertifizierten Managementsystemen sind bereits geübt im Umgang mit strategischen und operativen Zielen, Prozess- und Verfahrensanweisungen, Stellenbeschreibungen und gelenkten Dokumenten. Da sich ein Energiemanagementsystem auch in vorhandene Systeme, bspw. ein Qualitäts- oder Umweltmanagementsystem, integrieren lässt, ist ein Einführungprojekt in etwa 4-6 Monaten zu bewältigen. Dies hängt natürlich auch von der Größe der Organisationen, der Anzahl der Mitarbeiter und Standorte und dem Engagement ab. Zu beachten ist, dass neu integrierte Systeme vor einer Zertifizierung mindestens 3 bis 6 Monate in der Praxis laufen sollten.

 

Unternehmen ohne Erfahrung im Bereich Managementsysteme sollten für Implementierungsprojekte seriöser Weise mindestens 12 Monante einplanen.

 

HINWEIS: Speziell im Bereich des Energiemanagements bedarf es einer Erfassung aller wichtigen Energieverbraucher und energierelevante Prozesse. Hierfür sind temporäre und kontinuierliche Messungen erforderlich, also auch ein Mindestmaß an Messinfrastruktur. Dies ist mit dauerhaften Kosten und Aufwand verbunden. Umso komplexer und umfangreicher Prozesse und der Anlagen- und Maschinenpark sind, desto aufweniger ist die Erfüllung der entsprechenden Normativen Anforderungen. Wir empfehlen Ihnen daher eine Erstbewertung, bspw. in Form eines Delta-Audits.

 

Gern beraten wir Sie bei einer entsprechenden Planung und unterstützen Sie mit einem Delta-Audit bei der Bewertung bereits vorhandener Mechanismen. Damit kann verlässlich festgestellt werden, welche Schritte und welcher Aufwand insgesamt erforderlich ist. Einen Ansprechpartner finden Sie unten auf dieser Seite.

Welche Kosten kommen mit der ISO 50001?

Eine Kostenbetrachtung für die Einführung und Aufrechterhaltung eines Energiemanagementsystems muss differenziert vorgenommen werden. Hierbei sind die Einführungsphase und die Aufrechterhaltung selbst zu unterscheiden. Die nachfolgende Betrachtung bezieht sich auf Unternehmen mit produzierenden bzw. verarbeitenden Prozessen ab 50 Mitarbeitern. Die Betrachtung kann in Abhängigkeit von der Unternehmenstätigkeit und Größe deutlich variieren. Beachten Sie auch, dass der Aufwand eines Energiemanagementsystems eine gewisse Korrelation zu den Energiekosten haben sollte.

 

Kosten in der Einführungsphase

 

Grundsätzlich können Sie ein Energiemanagementsystem gem. DIN EN ISO 50001 selbst implementieren. Zumeist werden hier jedoch externe Berater engagiert. Selbst implementierte Systeme können jedoch auch in Form eines internen Audits durch einen externen Berater bzw. Auditor vor einem Zertifizierungs- oder Überprüfungsaudit bewertet werden. Das kann Überraschnungen und zusätzliche Kosten bei der Zertifizierung sparen. Zertifizierungsauditoren haben die Möglichkeit aufgrund von normativen Abweichungen Audits abzubrechen. Diese müssen dann kostenpflichtig wiederholt werden. Sie sollten bei der Implementierung Kosten einplanen für

  • personellen und/oder finanziellen Aufwand für die Managementdokumentation,
  • finanziellen Aufwand für externe Berater,
  • personellen und finanziellen Aufwand für Messungen und Analysen (Messkonzept!),
  • personellen und finanziellen Aufwand für interne und externe Audits.

 

In Summe ist bei der Einführung eines Energiemanagementsystems mit Aufwand im niedrigen fünfstelligen Bereich zu rechnen. Im Hinblick auf die Zertifizierungskosten ist dies direkt auch von der Anzahl der Mitarbeiter und Standorte abhängig wie auch von der Komplexität der Prozesse.

 

 

Kosten zur Aufrechterhaltung eines Energiemanagementsystems

 

Die Aufrechterhaltung des Systems bedingt einen kontinuierlichen personellen Aufwand. Im Mindesten muss Ihr Energiemanagementbeauftragter regelmäßig qualifiziert werden. Energieteammettings müssen durchgeführt werden und Vorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz sind zu erheben und zu bewerten. Eine Managementbewertung ist regelmäßig durchzuführen und das Messkonzept ist stetig zu verfeinern. Hinzu kommen verschiedene zwingende Dokumentations- und Reportingaufgaben. Neben dem personellen Aufwand muss finanzieller Aufwand geplant werden. Insbesondere für die jährliche Überprüfung bzw. Re-Zertifizierung, für den Ausbau der Messinfrastruktur, ggf. auch für die Anregung des KVP-Prozesses. Für ein ernsthaftes und sinnvolles Energiemanagement sollten dem Energiemanagement-Beauftragten wenigstens 1-2 Tage pro Woche zur Verfügung stehen. Das Energieteam (mind. 1 MA / 100 MA) sollte mindestens quartalsweise zum Austausch zusammenkommen.

 

Für die Aufrechterhaltung eines reifen Energiemanagementsystems sollte Aufwand im niedrigen fünfstelligen Bereich geplant werden. Energieeffizienz-Investitionen als Maßnahmen zur Verbesserung der energetischen Leistung sind in dieser Betrachtung nicht berücksichtigt.

 

HINWEIS: Prüfen und nutzen Sie die Möglichkeit von sog. Kombiaudits. In solchen Audits werden mehrere Regelwerke gleichzeitig überprüft, zumeist durch ein Auditteam. Alle größeren Zertifizierungsgesellschaften bieten diese Audits in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Auditoren und deren Scopes (Branchenkenntnis) an. Somit konzentrieren Sie den Zertifizierungs- und Überprüfungsaufwand auf bestimmte Tage im Jahr. Es ist zu erwarten, dass diese Audits preiswerter sind, als einzeln überprüfte Managementsysteme. Sie profitieren hierbei auch von intengrierten Systemen. Fragen Sie bei Ihren Zertifiziern gezielt nach Kombiaudits. Auch Ihre Auditoren werden Sie dazu informieren. 

 

Wenn Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation über mehrere Standorte mit gleichen oder ähnlichen Prozessen verfügt, fragen Sie Ihre Zertifizierungsstellen nach einer Zertifizierung und Überprüfung im Matrixverfahren.

 

Für ein unverbindliches Informationsgespräch stehen unsere Berater und Auditoren gern zur Verfügung.

Wo können Normen bezogen werden?

Alle einschlägigen internationalen, europäischen und nationalen Normen und Regelwerke finden Sie beim Beuth-Verlag.

 

Beachten Sie beim Erwerb von Normen, dass der jeweilige Revisionsstand zu berücksichtigen ist.

 

 

Wer zertifiziert Managementsysteme?

Die Zertifizierung von Managementsystemen obliegt sogenannten akkreditierten Zertifizierungsstellen. Diese werden von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht. Eine Empfehlung geben wir Ihnen auf Wunsch gern ab.

 

Hier einige mögliche Zertifizierungstellen:

 

 

Christian HeubleinProjektingenieur
ISO 50001-Auditor
ISO 14001-Auditor
BWI GmbH03473 913 211703473 913 2123heublein(at)e-scan(dot)de
Stefan WoesnerBereichsleiter Energieanalyse Industrie
Zertifizierungsauditor
MCH GmbH03473 913 211003473 913 2123woesner(at)e-scan(dot)de
Maik FriebeGeschäftsleitung BWI GmbH
ISO 50001 - Auditor
BWI GmbH03473 913 211403473 913 2123friebe(at)e-scan(dot)de